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Landwirtschaft in der EU

Der Agrarmarkt in Europa ist heute ein vollkommen anderer als noch Anfang der 1950er Jahre, als sechs europäische Staaten die “Europäischen Gemeinschaften” gründeten. Inzwischen ist daraus die “Europäische Union” mit derzeit 27 Mitgliedsstaaten und über 500 Millionen Einwohnern entstanden. In wirtschaftlicher und politischer Partnerschaft versucht die EU, die globalisierte Preisentwicklung im landwirtschaftlichen Sektor zu regulieren und zu reglementieren. So verabschiedet sie gemeinsame Richtlinien, die dann in den einzelnen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Bestimmte Verordnungen, Entscheidungen und Beschlüsse gelten sogar direkt. Die gemeinschaftlichen politischen Entscheidungen nehmen damit nicht nur auf die europäische Landwirtschaft insgesamt Einfluss, sondern auch auf jeden landwirtschaftlichen Betrieb in den einzelnen Mitgliedstaaten. Zum Beispiel müssen sich Milchbauern in Deutschland genauso an bestimmte Qualitätsstandards für ihr Produkt halten wie Milchbauern in Litauen.

Warum werden gemeinsame Entscheidungen getroffen?

Heutzutage sind landwirtschaftliche Betriebe in Europa verschiedenen Anforderungen ausgesetzt. Sie stellen ein regionales Produkt her, das sich im Zuge der Globalisierung auf dem internationalen Markt gegen eine Vielzahl von Konkurrenzprodukten behaupten muss. Verbraucher legen dabei nicht nur Wert auf eine gleichbleibend hohe Qualität, sondern zugleich auf möglichst niedrige Preise. Die Landwirtschaft ist aber nicht nur abhängig von der Nachfrage durch die Menschen. Die Qualität, die Menge und der Preis des Angebots werden außerdem durch viele weitere Faktoren beeinflusst. Nehmen wir als Beispiel wieder unsere Milchbauern in Litauen: Erhöhen sich dort die Strompreise und die Preise für Nutztierfutter, steigen in einem modernen landwirtschaftlichen Molkereibetrieb auch die Betriebskosten. Als Folge wird die Herstellung von Milch teurer. Milchbauern müssen sich dann entscheiden: Verkaufen sie ihr Produkt zu einem erhöhten Preis, könnten sich die Menschen in Litauen für billigere Importprodukte aus anderen Ländern entscheiden. Eine andere Möglichkeit für die Bauern wäre zum Beispiel, an der Qualität des Futters ihrer Milchkühe zu sparen, wodurch aber auch die Milchprodukte selbst an Qualität verlieren würden. Um dies zu verhindern, wurden in der EU verschiedene Maßnahmen ergriffen.

Maßnahmen der EU: Das EU-Absatzförderungsprogramm

Die EU hat das Ziel, Nahrungsmittel in Europa in ausreichender Zahl und in angemessener Qualität zu produzieren. Zudem müssen Umweltherausforderungen wie Klimawandel, Wasserbewirtschaftung, Bioenergie und Biodiversität beachtet werden. Nicht zuletzt müssen Landwirte im Stande sein, den Betrieb wirtschaftlich halten zu können. Für unsere Milchbauern aus Litauen bedeutet das, hochwertige Milch in ausreichenden Mengen und zu fairen Preisen für die europäischen Verbraucher zu erzeugen. Um dies zu erreichen, wurden in der EU verschiedene Maßnahmen ergriffen. Neben festgeschriebenen Normen, z.B. in Bezug auf Hygiene und Tierschutz, geben freiwillige EU-Qualitätszeichen Aufschluss über den geografischen Ursprung des Produkts oder etwa über das Verfahren bei der Herstellung. Zudem werden Milchbauern auch mit direkten Einkommensstützen subventioniert. Einfuhrzölle für landwirtschaftliche Produkte werden zudem deutlich gesenkt. Schließlich sollen sogenannte EU-Absatzförderungsprogramme europäischen Erzeugern helfen, indem den Verbrauchern – im Binnenmark und in Drittländern – die Qualität und die Normen bewusst gemacht werden, denen landwirtschaftliche Erzeugnisse in Europa genügen müssen. Auf diese Weise sollen auch neue Märkte für die Landwirte der EU erschlossen werden. Im Jahr 2011 hat die Europäische Kommission daher 20 Kampagnen zur Förderung des Absatzes von Agrar-Erzeugnissen in Drittländern genehmigt. Im Laufe von drei Jahren finanziert die EU 50 % des 62,2 Mio. EUR umfassenden Gesamtvorhabens. Die restlichen 31,1 Mio. EUR übernehmen die Branchen- oder Dachverbände, die die Programme vorgeschlagen haben, und in manchen Fällen auch die betreffenden Mitgliedstaaten. Im Fall unserer Milchbauern aus Litauen hat die Organisation LPUA5 (Latvian Printers’ Association) vorgeschlagen, die heimische Milchproduktion mit insgesamt 2.749.779 EUR zu fördern, wovon der Konzern selbst die Hälfte beisteuern will. Zielländer der Fördermaßnahme sind Bosnien und Herzegowina, Russland und die Ukraine. Interessant dabei zu wissen ist, dass die LPUA mehrere Druckhäuser besitzt, u. a. im Papierhandel tätig und Mitglied der Latvian Packaging Association ist.

In diesem Bereich hast du die Möglichkeit, dich entweder mit den Anforderungen an einen “landwirtschaftlichen Betrieb” oder mit der “EU-Absatzförderung” auseinanderzusetzen. Klicke dazu auf den entsprechenden Begriff.

Richtig zuordnen

Stell dir vor, du besitzt einen landwirtschaftlichen Betrieb in der EU, der Schafe als Nutztiere hält. Das Jahr ist nun vorbei und du sollst einen Betriebsplan für das nächste erstellen.

a. Welche Aspekte musst du bei deiner Planung berücksichtigen? Ordne die unten stehenden Begriffe im Kasten dem Schema zu. Gibt es noch weitere Aspekte, die man zuordnen könnte?

b) Wie können diese Aspekte deinen Produktionsplan beeinflussen? (diese Aufgabe ist schriftlich zu lösen.)

Abnehmer
Kauf neuer Maschinen
Betriebskosten
Gesetzgebung
Export / Import
Förderprogramme
Futter
Klimawandel
Landflucht
Konkurrenzsituation
Mitarbeiter
Preisvergleich
Saison
Gewinn
Verlust
Subventionen
Tier-/Pflanzenseuchen
Export / Import
Mitarbeiter
Überproduktion
Umweltskandal
Wartungskosten
Wetterprognose
Zulieferer

Kapitalerträge

1
2
3
4

Klima

1
2
3

Tiere/ Versorgung

1
2
3

rechtliche Verordnungen

1
2
3

Marktsituation / Wirtschaft

1
2
3
4
5

technologische Entwicklungen

1
2

Sonstiges

1
2
3
4

Komplettlösung

EU-Absatzförderung

Im Jahr 2011 hat die EU 20 Kampagnen zur Förderung des Absatzes von Agrar-Erzeugnissen in Drittländern im Gesamtwert von 62,2 Mio. EUR genehmigt.

Eines der Programme, das von der EU mit insgesamt 2.749.779 EUR und einer Gesamtlaufzeit von drei Jahren finanziert wird, ist eine Informationsmaßnahme zur Förderung von Milchprodukten in Litauen. Beantragt wurde die Förderung von der Organisation LPUA (Latvian Printers’ Association). Zielländer der Fördermaßnahme sind Bosnien und Herzegowina, Russland und die Ukraine. Interessant dabei zu wissen ist, dass die LPUA mehrere Druckhäuser besitzt, u. a. im Papierhandel tätig und Mitglied der Latvian Packaging Association ist.

Die folgenden Aufgaben beziehen sich auf die Fördermaßnahme in Litauen

1. Teilt euch im Unterricht in die sechs Interessenvertretergruppen “einheimische Milchbauern”, “LPUA”, “Zielländer (nationale Regierungen von Bosnien und Herzegowina, Russland und die Ukraine)”, “Groß- und Einzelhandel”, “Verbraucher” und “Umweltschützer”. Benennt zudem einen “EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung”.

2. Recherchiert auf dieser Seite (siehe “Wissen” und “Nachschauen”) sowie bei anderen Quellen zum Thema der EU-Absatzförderungsprogramme und speziell zur Förderung der Milchprodukte. Sammelt Argumente, die für oder gegen die Fördermaßnahme sprechen – z.B. unter wirtschaftlichen, ethischen, normativen und umweltverträglichen Aspekten. Bedenkt dabei, dass es sich hierbei um eine Informationskampagne handelt, um das Image von regionalen Milchprodukten in Drittländern zu verbessern.

3. Im Unterricht kommt ihr wieder zusammen, um im Plenum zu diskutieren. Die Interessenvertreter unterbreiten ihre Argumente dem EU-Kommissar. Diese werden gesammelt, z.B. an der Tafel oder am Whiteboard. Versucht euch auf eine gemeinsame Übereinkunft zu einigen.